Archiv für den Monat September 2018

02102018: Zum Tag der Gewaltfreiheit

schweigenfuerfrieden_PK2018„Kein menschliches Wesen wird mit Gewalt geboren, die Gewalt ist kein Schicksal, sie ist eine innere Ausrichtung. Aufgrund dessen ist das Gegenteil ebenfall möglich. Die Methode der Gewaltfreiheit ist das einzige Mittel von Wert, um die Gewalt in der Welt zu beenden.“ Im Jahr 2007 hat die Generalversammlung der UNO den Internationalen Tag der Gewaltfreiheit auf dem 2. Oktober festgesetzt, den Geburtstag von Mahathma Ghandi. Heuer – 2018 – wird er zum 11. Mal begangen. Die Gewalt entwickelt sich in allen möglichen Formen auf der ganzen Welt recht heftig. Konventionelle Kriege, Landbesetzungen, nukleare Bedrohungen (die uns in eine katastrophale nukleare Zukunft führen könnten), Hungersnöte, massive Migration, ökonomische Ausbeutung, die Flüchtlingskrise mit Millionen von Betroffenen, terristische Attacken, Gewalttaten in Schulen, in den Städten, ja in der Familie, im eigenen Zuhause. Aber neben dieser äußerlichen Gewalt gibt es auch Gewalt im Inneren von Menschen und sie drückt sich aus in Form eines Leidens, das zur Quelle der Zerstörung werden kann. Gewalt also, in all diesen Formen, ist ein fundamentales Element eines individualistisch und entmenschlichend orientierten Systemes und generiert dadurch immer wieder und immer mehr Gewalt. Dennoch: Es gibt es eine mögliche Lösung des Problems: Die Methode der aktiven Gewaltlosigkeit. Gewaltlosigkeit (oder: gewaltfreies Handeln) bezeichnet eine neue Sensibilität, die in den letzten Jahren gewachsen ist, und findet Ausdruck im zunehmenden Widerspruch zu unterschiedlichen Formen von Gewalt in verschiedenen Kontinenten und großen und kleineren Gruppierungen von Menschen aber auch in individuellen Aktionen und persönlichen Haltungen. Gewaltfeiheit ist eine Aktionsmethode (Handlungsweise), in der eine tiefgehende individuelle und soziale Veränderung eingeübt wird, mit dem Ziel, dem menschlichen Wesen absoluten Wert beizumessen. Gewaltlosigkeit ist eine Kraft und fähig, aktuelle Ereignisse in ihrer inhumanen und gewaltsamen Ausrichtung zu verändern.

Gewaltlosigkeit versucht angesichts des Lebens eine neue Haltung voranzutreiben – nach innen hin wie nach aussen – wobei die wichtigsten „Werkzeuge“ darin bestehen:

  • Die persönliche Veränderung, innere Bestärkung und Entwicklung simultan mit einer sozialen Transformation.
  • Zurückweisung und Verweigerung gegenüber verschiedenen Formen von Diskriminierung und Gewalt.
  • Die Nicht-Kooperation mit gewaltsamen Praktiken
  • Die Denunzierung aller diskriminierenden und gewaltvollen Handlungen
  • Ziviler Ungehorsam angesichts institutionalisierter Gewalt
  • Die Organisation und Mobilisierung sozialen, freiwilligen und solidaren Handelns
  • Die Entwicklung von persönlichen Tugenden und von besseren, tiefergehenden und nachhaltigeren menschlichen Bestrebungen

In der Geschichte der Welt hat die Methode gewaltfreier Aktion Ausdruck gefunden hauptsächlich in Entwicklungen zur Veränderung der Welt. Beiträge wie jene von Leo Tolstoi, Mahatma Ghandi, Martin Luther King oder – in der jüngeren Geschichte – durch die Leitlinien der Gewaltfreiheit und Gedanken von SILO, des Gründers der Bewegung des ‚Neuen Humanismus‘. Aber gewaltfreies Handeln findet sich ebenfals in tausenden Aktionen von Gemeinschaften oder von ganz alltäglichem Verhalten von Menschen auf der ganzen Welt. Es sind Organisationen, Freiwilligengruppen, NGOs und euch einzelne Menschen, die in einem Geist der Solidarität versuchen, Situationen der Gewalt, in denen sie leben, zu verändern. Das sind die Zeichen der Gewaltlosigkeit, die Zeichen auch einer neuen Spiritualität und einer neuen Solidarität. Es sind auch Zeichen für einen neuen persönlichen und sozialen Horizont, den wir aufbauen, weil wir ihn notwendig haben. Es sind auch Zeichen einer gewaltfreien Evolution an der jede und jeder Einzelne teilhaben kann. Schritt für Schritt begreift man: „Ohne Fortschritt für alle, wird es keinen Fortschritt für niemanden geben.“ Es ist an der Zeit, die sanfte und mächtige Botschaft der Gewaltfreiheit auszudrücken. Es ist an der Zeit und die Notwendigkeit ist groß, um unsere besten Fähigkeiten einzusetzen für eine gewaltfreie Zukunft. „Gewaltfreiheit ist der Weg zu einer friedlichen Welt“ – das ist die Botschaft für den 11. Internationalen Tag der Gewaltfreiheit am 2. Oktober 2018.